DIE PAPIERENE BRÜCKE

Ruth Beckermanns Reise durch ihre eigene Familiengeschichte erzählt zugleich die Geschichte der mitteleuropäischen Juden und die Geschichte einer Region. Die Reise führt sie von Wien, wo ihre Großmutter den Krieg als U-Boot überlebte, indem sie sich stumm stellte, und wohin ihre Mutter aus Israel zurückkehrte, in die Landschaft Osteuropas, die von der Verfolgung und Vernichtung der Juden zeugt.



16mm – 95’ – Farbe – 1:1,33
Optischer Ton - OV

Ein Film von Ruth Beckermann
Kamera Nurith Aviv
Ton Josef Aichholzer, Reinhold Kaiser, Heinz Ebner
Montage Gertraud Luschützky
mit Betty Beckermann, Salo Beckermann, Herbert Gropper, Robert Schindel, Willi Stern, Rabbi Wassermann, u.v.a.

Premiere 1.3.1987, Internationales Forum des jungen Films, Berlin, Zoo-Atelier
Kinostart 10.4.1987, Stadtkino, Vienna
Festivals Berlin, Hamburg, Troja (Portugal), Edinburgh, Montecatini, New York, Jerusalem, London etc.

Eine Winterreise in den Osten Europas: Ruth Beckermann sucht für sich und andere Kinder der Überlebenden, für die zweite Generation der österreichischen Juden nach der Shoah, eine Antwort auf die Frage Wer sind wir?...Die papierene Brücke des Films führt die Filmemacherin zu sich selbst zurück: in einer Fotografie aus Kindertagen.
BERT REBHANDL, 2007

Die papierene Brücke führt das Verhältnis zwischen Geschichte und Erinnerung vor, verweist auf den Akt (des Filmens) ohne ins Pornografische (der Selbstbespiegelung) abzugleiten, und kommentiert ganz nebenbei die Ereignisse des Jahres 1986; zeigt einige Minuten lang den Faschismus bei der Arbeit.
ALEXANDER HORWATH, Falter Nr. 15/1987

... ein berührender Film, der von melancholischer Spannung durchzogen ist.
JOHN BUNZL, Wiener Tagebuch, April 1987

„Die Nebel lichten sich; man kann sich orientieren. Seit Waldheim weiß ich, wo die Grenzen sind.“
RUTH BECKERMANN in einem Interview mit Erika Wantoch, profil Nr. 14/6. April 1987

Die Erlebnisberichte sind ebenso fesselnd, wie Ruth Beckermanns Kamerafahrten durch die heutige Bukowina und ihre Suche nach den Überresten einer einstmals blühenden jüdischen Gemeinde beeindruckend sind. Sie hat den richtigen Rhythmus gefunden, um dem Beobachter eine scheinbar zeitlose Landschaft nahezubringen.
Berliner Tagesspiegel, 3.3.1987

Das Filmessay ist ein Dokument dafür, wie authentisch Erinnerung sein kann, wenn sie präzise und verhalten nachgezeichnet wird.
taz, 28.2.1987
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___TEXTS
DAS UNSICHTBARWERDEN FILMEN
Hélène Cixous, 2006