HOMEMAD(E)
Die Marc Aurel-Straße in Wien: Da ist der letzte jüdische Händler im ehemaligen Textilviertel, der iranische Hotelier, das Café Salzgries mit seinen Stammgästen. Von Sommer 1999 bis Frühling 2000 unternahm Ruth Beckermann kleine Reisen vor die eigene Haustüre und erkundete ihre Umgebung mit der Kamera. Der Film ist auch ein Dokument der politischen Wende, die mit der Regierungsbeteiligung der extrem rechten FPÖ eintrat.DVCam/35mm - 84’ – Farbe – 1:1,66
Dolby Digital - OF Deutsch
Untertitel: Englsich, Französich
Ein Film von Ruth Beckermann
Kamera Nurith Aviv, Ruth Beckermann, Peter Roehsler
Ton Christina Kaindl-Hönig
Schnitt Gertraud Luschützky, Dieter Pichler
mit Adolf „Adi“ Doft, Djavad & Nasrin Alam, Helene Doft, Peter Ferber, Gernot Friedel, Elfriede Gerstl, Erika Göschl, Dieter Haspel, Ferri Heschmat, Franz Novotny, Kurt Kalb, Karl Pfeifer, Lisl Ponger, Gigi Martschitsch, Tina Reimann, Bobby Rosner, Franz Schuh, Senta Segall, Rudi Schmutz, Eduard Steinberger, Eleonore und Herbert Wolf
Premiere 8.2.2001, Internationales Forum des jungen Films Berlin
Kinostart 12.9. 2001, Votiv Kino Vienna
Festivals Berlin, Cinéma du réel Paris, Diagonale Graz etc.
Dolby Digital - OF Deutsch
Untertitel: Englsich, Französich
Ein Film von Ruth Beckermann
Kamera Nurith Aviv, Ruth Beckermann, Peter Roehsler
Ton Christina Kaindl-Hönig
Schnitt Gertraud Luschützky, Dieter Pichler
mit Adolf „Adi“ Doft, Djavad & Nasrin Alam, Helene Doft, Peter Ferber, Gernot Friedel, Elfriede Gerstl, Erika Göschl, Dieter Haspel, Ferri Heschmat, Franz Novotny, Kurt Kalb, Karl Pfeifer, Lisl Ponger, Gigi Martschitsch, Tina Reimann, Bobby Rosner, Franz Schuh, Senta Segall, Rudi Schmutz, Eduard Steinberger, Eleonore und Herbert Wolf
Premiere 8.2.2001, Internationales Forum des jungen Films Berlin
Kinostart 12.9. 2001, Votiv Kino Vienna
Festivals Berlin, Cinéma du réel Paris, Diagonale Graz etc.
Das Viertel ist ein Refugium am Rande der City, und es trifft sich gut, dass es nach jenem römischen Kaiser benannt ist, der als Philosoph berühmt wurde. Der distanzierte Stil seiner stoischen Selbstbetrachtungen passt gut in jene Gegend rund ums Café Salzgries. In diesem Tonfall, leicht ironisch, plaudern die Menschen, die Beckermann zu Wort kommen lässt. Die schrillen Stimmen sind nicht zu vernehmen. Die Populisten des Ressentiments schwingen hier keine Reden.
Doron Rabinovici, Die Presse, 8.9.2001
Ruth Beckermann nimmt ihr Kino persönlich, nicht als objektiv Aufzeichnende, sondern als Teil der Welt, von der sie erzählt.
Christoph Huber, Die Presse, 19.9.2001
VERENA MAYER, Abwarten und Kaffee trinken
Der Ort, an dem sich Alpha und Omega österreichischer Befindlichkeit materialisieren, ist allen Klischees zum Trotz bis heute das Kaffeehaus. Zwar wollte die Regisseurin eigentlich das Leben in einer ehemaligen Wiener Geschäftsstraße, in der es immerhin zwei Zeitungsredaktionen, ein Hotel und ein Bordell gibt, dokumentieren, schnell stellte sich aber heraus, dass in der Marc-Aurel-Straße der Genius Loci das Café Salzgries ist. Getreu dem Motto Alfred Polgars, dass das Kaffeehaus „eine Weltanschauung ist, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschaun“, gehen hier Frühling, Sommer und Herbst ins Land, ohne dass die Besucher oft von ihrem Kaffee aufschauen.
homemad(e) ist ein Kommentar zu Österreich, in dem man keine Abgründe erkennen kann. Gerade das macht ihn aussagekräftig. Und so wie es zum Wesen der Österreichkritik gehört, Abgründe zu sehen, wo gar keine sind, so tun sich umgekehrt auch welche auf, wo man keine erkennen kann. Die eindrucksvollste Szene des Films ist die Begegnung des alten Textilhändlers Doft mit einer Bekannten. „Fesch bist“ schmeichelt sie. Seine Geschwister seien viel fescher, wiegelt er charmant ab. Später erfährt man, dass er als einziger von seiner Familie Auschwitz überlebt hat.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.2.2001
Hier geben keine Repräsentanten von etwas Statements ab, sondern Menschen sprechen und erzählen. Gleichzeitig erspart uns Beckermann das anklagende Element, wenn die VP/FP Regierung ihren Schatten bis ins Kaffeehaus wirft. Da wird dann nicht mit fetzigen Einsprengseln gearbeitet, sondern eine leise Skepsis spricht Bände. Und gerade in seinen Auslassungen und Unterlassungen wird homemad(e) ein relevantes Dokument der so genannten Wende bleiben.
Claus Philipp, Der Standard, 13.2.2001
Doron Rabinovici, Die Presse, 8.9.2001
Ruth Beckermann nimmt ihr Kino persönlich, nicht als objektiv Aufzeichnende, sondern als Teil der Welt, von der sie erzählt.
Christoph Huber, Die Presse, 19.9.2001
VERENA MAYER, Abwarten und Kaffee trinken
Der Ort, an dem sich Alpha und Omega österreichischer Befindlichkeit materialisieren, ist allen Klischees zum Trotz bis heute das Kaffeehaus. Zwar wollte die Regisseurin eigentlich das Leben in einer ehemaligen Wiener Geschäftsstraße, in der es immerhin zwei Zeitungsredaktionen, ein Hotel und ein Bordell gibt, dokumentieren, schnell stellte sich aber heraus, dass in der Marc-Aurel-Straße der Genius Loci das Café Salzgries ist. Getreu dem Motto Alfred Polgars, dass das Kaffeehaus „eine Weltanschauung ist, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschaun“, gehen hier Frühling, Sommer und Herbst ins Land, ohne dass die Besucher oft von ihrem Kaffee aufschauen.
homemad(e) ist ein Kommentar zu Österreich, in dem man keine Abgründe erkennen kann. Gerade das macht ihn aussagekräftig. Und so wie es zum Wesen der Österreichkritik gehört, Abgründe zu sehen, wo gar keine sind, so tun sich umgekehrt auch welche auf, wo man keine erkennen kann. Die eindrucksvollste Szene des Films ist die Begegnung des alten Textilhändlers Doft mit einer Bekannten. „Fesch bist“ schmeichelt sie. Seine Geschwister seien viel fescher, wiegelt er charmant ab. Später erfährt man, dass er als einziger von seiner Familie Auschwitz überlebt hat.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.2.2001
Hier geben keine Repräsentanten von etwas Statements ab, sondern Menschen sprechen und erzählen. Gleichzeitig erspart uns Beckermann das anklagende Element, wenn die VP/FP Regierung ihren Schatten bis ins Kaffeehaus wirft. Da wird dann nicht mit fetzigen Einsprengseln gearbeitet, sondern eine leise Skepsis spricht Bände. Und gerade in seinen Auslassungen und Unterlassungen wird homemad(e) ein relevantes Dokument der so genannten Wende bleiben.
Claus Philipp, Der Standard, 13.2.2001

