Austria 2006, Color, DV/35mm, 90 min.

Distribution:
AUTlook Filmsales, c/o Peter Jäger
Tel. + 43-664-5105552
Bis dreizehn trägt der Vater die Sünden für seinen Sohn. Mit dreizehn gilt ein jüdischer Junge als volljährig, ein Mädchen mit zwölf. Zeitpunkt für eine Initiation, eine Zeremonie, die einen Schnitt und einen Übergang im Leben eines heranwachsenden Menschen markiert, die Einiges an Vorbereitung erfordert und Gelegenheit für ein großes Fest mit Familie und Freunden bietet.

Der Film begleitet vier 12-jährige Jugendliche - Sharon, Tom, Moishy und Sophie – bei den Vorbereitungen auf ihre Bar Mizwa bzw. Bat Mizwa. Sophie wird im großen Rahmen vom Freundes- und Familienkreis gefeiert. Tom, Sohn einer israelischen Mutter und eines österreichischen Vaters, reist nach Jerusalem, um an der Klagemauer erstmals die Gebetsriemen anzulegen. Moishy tritt streng nach den Gesetzen der orthodoxen Juden in die Gemeinschaft der Erwachsenen über.

Dass sich Sharon, Sohn georgischer Eltern mit sephardischen Wurzeln, „Zorro“ als Motto seines Bar Mizwas-Festes ausgesucht hat, verstärkt den Stress seiner Mutter und sein eigenes Lampenfieber. Er muss sich nicht nur in die Maske des geheimnisvollen Unbekannten hüllen, sondern auch Mantel und Degen anlegen, vom Pferd springen und sich einem Fechtduell stellen. Alles vor laufender Kamera, denn André, der Filmer im Film und gefragte Spezialist für Videos von jüdischen Zeremonien, ist bei den meisten Bar Mizwas dabei und zeichnet für jene Videos, die sich als Erinnerung im Kreise der Verwandten großer Beliebtheit erfreuen.

Aufnahmen von Andrés Kameraarbeit und Gespräche in seinem Schneideraum ziehen von Beginn an in Zorros Bar Mizwa eine filmische Zwischenebene ein, die Ruth Beckermanns dokumentarischer Sprache einen ironischen Bruch und einen doppelten Blick verleiht. Ihre Kamera gleitet scheinbar zufällig und unbemerkt in private Sphären der Protagonisten, zeigt ihre Familien und deren Umgang mit Religion und auch den Umgang der Religion mit ihren männlichen und weiblichen Mitgliedern. Es ist ein ambivalenter Blick, der hier auf jüdische Tradition und ihre Interpretationen fällt, der die Frage nach der Bedeutung von Initiationsriten im Allgemeinen und die nach der Religion als zeitgemäßen Träger dieser Zeremonien im Besonderen aufwirft und auch den ungleichen Status der Geschlechter in der jüdischen Religion beleuchtet. Zorros Bar Mizwa ist aber auch eine Skizze vom Ende der Kindheit, die sich belustigt und manchmal ratlos, auf dieses schwer zu eruierende Terrain der Adoleszenz einlässt, diese diffuse Sphäre zwischen zwei Welten einfängt, Raum für Erinnerung an die eigene Kindheit schafft und dabei amüsant von einer symbolischen Gelegenheit erzählt, die Bänder der Generationen weiterzuknüpfen.