WIEN RETOUR
Franz West (1909-85) erinnert sich an seine Jugend in Wien: an die vielfältige jüdische Bevölkerung der Mazzesinsel, an sein Engagement in der Arbeiterbewegung des Roten Wien und an den Aufstieg von Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Seine meisterhafte Erzählung und das eindrückliche Archivmaterial verdeutlichen Zusammenhänge in der österreichischen Geschichte der Zwischenkriegszeit.16mm - 91’ – Farbe / s&w – 1:1,33
optischer Ton - OV Deutsch
Untertitel: Englisch, Französisch
Ein Film von Ruth Beckermann, Josef Aichholzer
Kamera Tamas Ujlaki
mit Franz West
Premiere 30.4.1983, Stadtkino Vienna
Kinostart 11.11.1983, Stadtkino, Vienna
Festivals Leipzig, Jerusalem, Cinéma du réel Paris, San Francisco, Florence, etc.
optischer Ton - OV Deutsch
Untertitel: Englisch, Französisch
Ein Film von Ruth Beckermann, Josef Aichholzer
Kamera Tamas Ujlaki
mit Franz West
Premiere 30.4.1983, Stadtkino Vienna
Kinostart 11.11.1983, Stadtkino, Vienna
Festivals Leipzig, Jerusalem, Cinéma du réel Paris, San Francisco, Florence, etc.
„Im persönlichen Leben haben so Stadien gewechselt. Eine Periode: Fußball über alles. Jeden Sonntag zum Match, hat selbst gespielt. Dann kam eine Periode- Politik. Starkes Interese dafür. Der Versuch, einmal diese Welt kennen zu lernen, die man bisher nur als Parteienbezeichnungen kannte. Zum Unterschied von heute haben die Leute eine sehr gute Nase gehabt, oder einen Erkennungsblick gehabt, für das, was ein Jud ist. Heute ist das bei der geringen jüdischen Bevölkerung nicht mehr so eindueitg. Aber so Typen wie ich es war mit schwarzen Haar und einer nicht ganz griechisch- römischen Nase, hat man sofort als Jude agnosziert und man musste nur auf der Straßenbahn einen unfreund- lichen Mitfahrer rempeln, dass der sofort den Juden raus gespien hat. Das war da.”
FRANZ WEST
PETER TURRINI, Faszination und Irritation
Der Film WIEN RETOUR hat mich fasziniert, warum? In der Regel habe ich mit der Praxis des dokumentarischen Films, wie sie bei uns geübt und eingeübt wird, wenig Freude. Ich glaube nicht an die Liebe des Dokumentaristen für sein Thema, wenn ich nur tolle Bilder sehe, die das Dokumentierte „filmisch aufbereiten“, Zeugen höre, die das Besondere bezeugen, Dokumente sehe, die das Authentische beweisen ...
Ruth Beckermann und Josef Aichholzer haben mit WIEN RETOUR dem Dokumentarfilm seine größte Möglichkeit wieder- gegeben: Sie stellen einen Menschen, Franz West, in den Mittelpunkt ihres Films, einen jüdischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Man hört ohne besondere filmische und dokumentarische Aufbereitung das Schicksal dieses Menschen und sieht doch das Schicksal ganz Österreichs vor sich. Dieser Film stellt Ansprüche, besonders zu Beginn, weil er die gestörten Sehweisen, die Gier nach schneller Abwechslung nicht einlöst, aber je länger man ihn sieht, desto mehr beschenkt er den Betrachter: Noch nie habe ich einen Dokumentarfilm gesehen, bei dem ich den Zusammenhang zwischen Mensch und Geschichte so tief empfunden habe.
Ein Mensch wie Franz West hat in Österreich wenig Öffentlichkeit. Sein Leben lässt sich mit medialen Schlagworten nicht fassen, dafür ist es zu reich. Sein Tun lässt sich nicht an einer Tat vorführen, dafür hat er zuviel getan. Seine Anschauungen sind nicht in private und öffentliche zerfallen. Sein Mut ist kein spektakulärer, aber ein kontinuierlicher. Sein Humor gefriert nicht in schnellen kolportierbaren Bonmots, er erwärmt ein ganzes kämpferisches Leben.“
profil, November 1983
In diesem grandiosen Filmdokument schildert Franz West, Jude, Sozialdemokrat, Emigrant, Kommunist, Exkommunist, seine zehn Kindheits- und Jugendjahre in Wien von 1924 bis 1934 mit dem schüchternen Lächeln eines Augenzeugen, der nur erzählen will, wie es war, ohne seinem persönlichen Schicksal eine besondere Bedeutung beizumessen – und es ballt sich Weltgeschichte um den alten Herrn!
FRITZ WALDEN, Arbeiterzeitung, 11.11.1983
Für mich gab es zwei wesentliche Anliegen, diesen Film zu machen: Jemandem das Wort zu geben, der in der heutigen gesellschaftlichen Situation in Österreich nur ungern gehört wird – für die einen ist West ein Linker, für die anderen ein ehemaliger Kommunist und für die Kommunisten ein Abtrünniger. Und Jude ist er überdies. Und den Zusammenhang herzustellen zwischen der Zerschlagung der Arbeiterbewegung und dem Schicksal der Juden, die Verknüpfung von Minderheiten mit den fortschrittlichen Bewegungen zu zeigen.
RUTH BECKERMANN, 1983
FRANZ WEST
PETER TURRINI, Faszination und Irritation
Der Film WIEN RETOUR hat mich fasziniert, warum? In der Regel habe ich mit der Praxis des dokumentarischen Films, wie sie bei uns geübt und eingeübt wird, wenig Freude. Ich glaube nicht an die Liebe des Dokumentaristen für sein Thema, wenn ich nur tolle Bilder sehe, die das Dokumentierte „filmisch aufbereiten“, Zeugen höre, die das Besondere bezeugen, Dokumente sehe, die das Authentische beweisen ...
Ruth Beckermann und Josef Aichholzer haben mit WIEN RETOUR dem Dokumentarfilm seine größte Möglichkeit wieder- gegeben: Sie stellen einen Menschen, Franz West, in den Mittelpunkt ihres Films, einen jüdischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Man hört ohne besondere filmische und dokumentarische Aufbereitung das Schicksal dieses Menschen und sieht doch das Schicksal ganz Österreichs vor sich. Dieser Film stellt Ansprüche, besonders zu Beginn, weil er die gestörten Sehweisen, die Gier nach schneller Abwechslung nicht einlöst, aber je länger man ihn sieht, desto mehr beschenkt er den Betrachter: Noch nie habe ich einen Dokumentarfilm gesehen, bei dem ich den Zusammenhang zwischen Mensch und Geschichte so tief empfunden habe.
Ein Mensch wie Franz West hat in Österreich wenig Öffentlichkeit. Sein Leben lässt sich mit medialen Schlagworten nicht fassen, dafür ist es zu reich. Sein Tun lässt sich nicht an einer Tat vorführen, dafür hat er zuviel getan. Seine Anschauungen sind nicht in private und öffentliche zerfallen. Sein Mut ist kein spektakulärer, aber ein kontinuierlicher. Sein Humor gefriert nicht in schnellen kolportierbaren Bonmots, er erwärmt ein ganzes kämpferisches Leben.“
profil, November 1983
In diesem grandiosen Filmdokument schildert Franz West, Jude, Sozialdemokrat, Emigrant, Kommunist, Exkommunist, seine zehn Kindheits- und Jugendjahre in Wien von 1924 bis 1934 mit dem schüchternen Lächeln eines Augenzeugen, der nur erzählen will, wie es war, ohne seinem persönlichen Schicksal eine besondere Bedeutung beizumessen – und es ballt sich Weltgeschichte um den alten Herrn!
FRITZ WALDEN, Arbeiterzeitung, 11.11.1983
Für mich gab es zwei wesentliche Anliegen, diesen Film zu machen: Jemandem das Wort zu geben, der in der heutigen gesellschaftlichen Situation in Österreich nur ungern gehört wird – für die einen ist West ein Linker, für die anderen ein ehemaliger Kommunist und für die Kommunisten ein Abtrünniger. Und Jude ist er überdies. Und den Zusammenhang herzustellen zwischen der Zerschlagung der Arbeiterbewegung und dem Schicksal der Juden, die Verknüpfung von Minderheiten mit den fortschrittlichen Bewegungen zu zeigen.
RUTH BECKERMANN, 1983

